Spieletest: Mighty No. 9

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Als im Jahr 2013 der Schöpfer von Mega-Man den geistigen Nachfolger namens Mighty No. 9 ankündigte, war die Euphorie groß. Binnen kürzester Zeit konnte das mittels Kickstarter finanzierte Projekt knapp eine Million US-Dollar erzielen. Drei Jahre und knapp 4 Millionen US-Dollar später, ist das Werk vollbracht. Ob das Spiel gelungen ist und Mega-Man das Wasser reichen kann, möchten wir mit unserem Spieletest zu Mighty No. 9 auf der Playstation 4 herausfinden.

Die Story von Mighty No. 9 ist schnell erzählt: In einer Zukunft in der Androiden gemeinsam mit Menschen leben, sorgt ein Computervirus dafür, dass die Androiden durchdrehen. Der Protagonist namens Beck, der zufälligerweise auch ein Android ist, muss nun die anderen Mighty’s seines Erschaffers Dr. White bezwingen. Jeder dieser Mighty’s hat andere Fähigkeiten, die unterschiedliche Schwächen sowie Stärken besitzen. Gelingt es Beck einen seiner “Brüder” bzw. “Schwestern” zu besiegen, eignet er sich die Fähigkeiten des jeweiligen Kontrahenten an.

screens_01Wie auch schon bei Mega-Man wählt man anhand eines kleinen Menüs das Gebiet aus, welches man zunächst erledigen möchte. Jedes dieser Gebiete unterscheidet sich vom Thema. Wer gegen Mighty No. 1 – Pyrogen antritt, wird sich in einem Gebiet befinden, dass von Feuer dominiert wird. Meistert man den Weg bis zum Boss, darf man sich ebenso auf Feuerattacken gefasst machen.

Auch wenn die Level zwar allesamt ein eigenes Thema beinhalten und sich zumindest dadurch etwas unterscheiden, so wird man nicht wirklich spielerische Unterschiede erkennen. Ständig ballert man auf langweilige Gegner, überwindet Sprungpassagen und besiegt Zwischenbosse. Das wäre ja an sich nicht so schlimm, wären die einzelnen Abschnitte nicht so träge und Detailarm. Generell hat mir die Grafik von Mighty No. 9 nicht gefallen. Für mich wirkte sie etwas klobig.

screens_03Auch wenn das Spiel wie Mega-Man sein möchte, so gibt es zumindest eine Neuigkeit im Spiel. Mit der Schultertaste kann man nun nämlich eine Dash-Attacke ausführen. Dies ist besonders dann hilfreich, wenn man die Gegner bereits etwas angeschlagen hat und diese mit der Dash-Attacke sozusagen aufsaugt. Dadurch erhält Beck gewisse kurzzeitige Boni wie z. B. einen verstärkten Blaster. Die Dash-Attacke ist bei einigen Bossen sogar essenziell. Einige der großen Übeltäter kann man nämlich nur mit dem Dash aus Phasen holen, in denen sie sich regenerieren würden. Vorsicht ist allerdings bei Abgründen geboten. Nicht nur einmal hat mich die Dash-Attacke einen Abgrund von unten begutachten lassen.

Der Schwierigkeitsgrad von Mighty No. 9 ist ähnlich wie bei Mega-Man sehr hoch. Die Balance zwischen Gebietsabschnitten und Gebietsboss ist jedoch ein Witz. Manchmal ist der Weg zum Boss ein Kinderspiel, der Boss jedoch fast unbesiegbar und manchmal ist es genau umgekehrt. Wer sich einem Mighty stellt, hat hoffentlich die richtige Attacke dabei. Ist dies nämlich nicht der Fall, segnet man bald das Zeitliche. Die unterschiedlichen Attacken bezieht man direkt nach dem Ableben der anderen Mightys. So ist es wichtig, die Gebiete in der richtigen Reihenfolge abzuschließen. Ob es jetzt gut ist oder nicht, dass uns das Spiel bereits vorgibt, welches Gebiet wir als nächstes erledigen sollten, muss jeder für sich selbst entscheiden.

screens_07Wem das Spiel mit den anfänglichen 3 Leben zu schwer ist, kann diese in den Optionen auf maximal 9 erhöhen. Die Checkpoints der einzelnen Gebiete sind großzügig verteilt. Hat man jedoch alle Leben verloren, muss man das Gebiet von neu beginnen. Das kann vor allem dann frusten, wenn man bereits vorm Gebietsboss stand und den mühsamen Weg dahin bereits öfters hinter sich gebracht hat. Unnötig auf dem Weg zum Boss sind die Zwischenbosse, die eigentlich Großteils nur aus mehreren Gegnerwellen bestehen.

Abseits der Story bietet Mighty No. 9 auch noch einige weitere Modi. Zum einen wäre da der Challenge Mode, bei dem kleinere Missionen absolviert werden müssen oder der Boss-Rush-Modus, bei welchem alle Bosse so schnell wie möglich eliminiert werden müssen. Auch zu zweit lässt sich das Spiel spielen. Der 2-Spieler-Online Challenge Modus, welcher auf Koop Missionen schickt oder die 2-Spieler-Zeitschlacht, bei der es auf Geschwindigkeit ankommt.

Technisch fragt man sich, wo Entwickler Comcept das ganze Kickstarter Geld rein gesteckt hat. Die Spezialeffekte sehen hässlich aus und auch die Zwischensequenzen überzeugen nicht. Wem die Englische Sprachausgabe nicht gefällt, der darf glücklicherweise auch zur Japanischen Tonspur wechseln. Zumindest bei mir wollte die Motivation nicht so wirklich rüber kommen das Spiel weiter zu spielen, obwohl es abgesehen von der Aufmachung eigentlich ein recht solides Spiel geworden ist.
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