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    Spieletest: Torment: Tides of Numenera

    Wir leben in einer Zeit, wo es meist nur darum geht, ein Spiel mit der besten Grafik und modernem Gameplay zu entwickelt. Spiele wie Pillars of Eternity oder auch Torment: Tides of Numenera sind daher eher Nischenprodukte die eine etwas kleinere und vor allem ältere Community ansprechen. Was Torment: Tides of Numenera so besonders macht, möchten wir Euch in unserem Test zum Spiel näher bringen.

    Wer mit Namen wie Baldurs Gate, Icewind Dale und Planescape: Torment etwas anfangen kann, hat zumindest schon mal den richtigen Jahrgang. Es handelt sich dabei um RPG’s aus den späten 90er Jahren, die allesamt eine isometrische Ansicht besitzen und mit zahlreichen Spieldialogen ausgestattet sind. Anders als in den gerade erwähnten Spielen steht der Kampf in Torment: Tides of Numenera eher im Hintergrund denn hier geht es mehr um den Handlungsverlauf. Wenn Ihr in unserem Test bereits bis hierher gekommen seid, besitzt Ihr bereits die Grundvoraussetzung des geistigen Nachfolgers von Planescape: Torment: Lesen!

    Die Geschichte ist einfach wie auch verworren. Als zurückgelassene Hülle einer Gottheit namens der wandelnde Gott, fallen wir etwa eine Milliarde Jahre in der Zukunft vom Himmel und schlagen auf der Erde – in der “Neunten Welt” – auf. Während wir vom Himmel fallen, befinden wir uns in unserem Geist und lernen nicht nur die Steuerung kennen, sondern stellen uns auch einen Charakter zusammen. Dabei kann man zwischen drei Klassen wählen. Ein Glaive, welcher enorme Kampfkünste besitzt, ein Magiebegabter Nano oder den Allrounder namens Jack. Die Auswahl ist vergleichsweise zu anderen Genrekollegen ziemlich marginal. Besser sieht es hingegen bei den zahlreichen Fähigkeiten aus die uns etwa den Umgang mit verschiedenen Waffenarten beibringen.

    Der erste Kampf findet in unserem Geist statt

    Unser ausgewählter Held oder Heldin kommt mit drei unterschiedlichen Werten aus. Kraft, Geschwindigkeit und Intellekt. Diese entscheiden zukünftig, ob uns gewisse Aktionen gelingen oder nicht. Bei jeder speziellen Aktion verbrauchen wir nämlich einen Teil der jeweiligen Wertepools. Wer seine Trefferchancen im Nahkampf erhöhen möchte, spendet ein paar Kraftpunkte. Wer den Kampf gar vermeiden möchte, kann mit dem Einsatz von Intellektpunkten den potenziellen Gegner vielleicht sogar friedlich stimmen. Je nachdem wie viele Punkte man investiert, erhöht oder verringert sich die Chance die Aktion erfolgreich auszuführen. Die jeweiligen Wertepools füllen sich mit kostspieligen Gegenständen oder einer Übernachtung wieder vollständig auf. Man sollte also gut überlegen, ob man lieber seine ganze Kraft dafür aufwendet, eine Klippe hochzuklettern oder diese doch eher bei einem möglichen darauffolgenden Kampf einsetzt.

    Die Dialogauswahl bietet unterschiedliche Möglichkeiten voranzukommen

    Torment: Tides of Numenera setzt viel auf Entscheidungen des Spielers und so müssen wir direkt am Anfang schon die erste Entscheidung treffen. Unser Sturz auf die Erde wird zufälligerweise von zwei Bewohnern mitverfolgt. Nano-Dame Callistege und Nano-Herr Aligern. Nachdem wir als Abgestoßener des wandelnden Gottes ziemlich viel Interesse wecken, bieten uns beide an, mit uns auf Reisen zu gehen, um jemanden zu finden, der unsere durch den Aufprall beschädigte Resonanzkammer wieder reparieren kann. Wie der Zufall so will, können sich die beiden nicht wirklich ausstehen und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir aufgefordert werden, sich für einen der beiden Begleiter zu entscheiden. Ein Stückchen weiter die nächste Entscheidung: Kämpfen wir gegen eine uns entgegenkommende Söldnertruppe oder gehen wir dem Kampf mit geschicktem Umgang unserer Wörter aus dem Weg? Das Spiel erlaubt uns dadurch so ziemlich jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen und sich ausschließlich den Dialogen und der Handlung zu widmen.

    Die meiste Zeit werdet Ihr mit Lesen verbringen

    Sollten wir uns jedoch einmal nicht für den friedlichen und kampflosen Weg entscheiden, wechselt das Spiel übergangslos in den rundenbasierten Kampfmodus. Hier können wir abwechselnd die eigene Spielfigur sowie unsere Begleiter steuern. Wurde eine Aktion gewählt, kann man abhängig von der Fähigkeit, Kampf-, Intellekt- oder Geschwindigkeitspunkte opfern, um die Trefferchance sowie den Schaden zu erhöhen. Mit den sogenannten Cyphern (Fähigkeiten zum einmaligen Gebrauch) können wir unsere verlorenen Punkte gegebenenfalls wieder auffüllen oder zu anderen Mitteln greifen. Aber nicht nur unsere Waffen oder Cypher verhelfen uns zum Sieg. Oft können wir während eines Kampfes mit der Umgebung interagieren, um etwa Fallen auszulösen und den Gegner damit zu schaden. Mehr Möglichkeiten bietet uns das Spiel im Kampf jedoch nicht mehr an, und bis wir neue, nützliche Fähigkeiten dazu erhalten, vergehen meist zahlreiche Stunden. Hier merkt man ganz klar, dass es bei Torment: Tides of Numenera vielmehr um die Handlung und die damit verbundenen Dialoge geht.

    Die detailreichen Gebiete bergen zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten

    Dass das Spiel sage und schreibe mehr als 1,2 Millionen Wörter besitzt, ist nicht verwunderlich. Alles im Spiel wird Euch mittels Text deutlich gemacht. Auf Zwischensequenzen und Videos mit Sprachausgabe verzichtet das Spiel bewusst denn alles was passiert, wird Euch anhand einer Umschreibung vermittelt. So habt Ihr stets die Möglichkeit, Euch selbst ein Bild aus dem Geschehenen in Eurem Kopf zu bauen. Bestes Beispiel ist das Reparieren einer merkwürdigen Uhr. Während dieses Vorgangs nehmt Ihr Einblick in die Vergangenheit der Zivilisation. Dies wird Euch allerdings nur als Text beschrieben. Gleiches gilt auch für das Eindringen in die Vergangenheit anderer Personen. Stellt Euch Torment: Tides of Numenera als interaktives Buch vor in dem Ihr durch Eure Entscheidungen den Verlauf der Geschichte verändern könnt. Dazu habt Ihr auch mehr als genug Möglichkeiten, denn jeder Kartenabschnitt beinhaltet zahlreiche NPC’s und Apparate, mit denen Ihr interagieren könnt. Drückt Ihr die merkwürdig aussehende Taste auf dem unbekannten Gerät vor Euch und riskiert vielleicht dadurch einen tödlichen Stromschlag? Helft Ihr einer verirrten Kreatur bei der Flucht aus der Stadt und verärgert somit die Söldner? Das und noch viel mehr könnt Ihr entscheiden. Auf eine Minimap oder Questmarkierung müsst Ihr ebenso verzichten. Die Welt wartet von Euch erforscht zu werden und bietet eine menge spannende Geschichten und Abenteuer.

    Überraschend war die angenehme Steuerung auf der Konsole. Bewegt man die Figur ganz normal mit den Analogsticks, gelangt man mit dem Steuerkreuz zum Questjournal, ins Inventar oder zur Charakterübersicht. Nähert man sich einem Objekt oder einem NPC, kann man mit X oder A interagieren. Einzig das Handling im Inventar und das Verteilen von Gegenständen an andere Begleiter war etwas mühsam.

    Störend war die fehlende Schnellreise zu Kartenabschnitten in der Stadt. So musste man nicht nur einmal durch zwei Abschnitte wechseln, um nur kurz einen Gegenstand abzuliefern und erneut die beiden Abschnitte zurücklaufen, um die Nebenquest abzugeben. Das wäre ja an sich nicht so schlimm, wären da nicht diese Ladezeiten bei den Gebietsübergängen. Zumindest auf der Xbox One haben diese meist um die 30 Sekunden angedauert. Auch hatte das Spiel an einigen stellen mit sehr starken Framerateeinbrüchen zu kämpfen. Ein entsprechender Patch um die Performance der Konsolenversionen zu verbessern, wurde jedoch seitens Entwickler bereits angekündigt. Abseits dieser Schwächen führt Euch Torment: Tides of Numenera führt für knapp 25 Stunden in eine atemberaubende, futuristische und gleichzeitig mittelalterliche Welt voller aufregender Geschichten und Abenteuer.

    Torment: Tides of Numenera ist seit 28. Februar 2017 für Xbox One, Playstation 4 sowie PC erhältlich. Unser Test bezieht sich auf die Xbox One Fassung des Spiels.

    Hinweis: Das Testmuster wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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