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    Spieletest: Far Cry 6

    Wenn Ubisoft mit Far Cry eines kann, dann sind das abgefahrene und schräge Antagonisten. Auch in Far Cry 6 gibt es wieder so einen Typ. Antón Castillo reiht sich zu den Bösewichten des Far Cry Universums. Aber reicht das aus, um ein packendes Spiel zu präsentieren? Wir verraten euch in unserem Review zum Spiel, warum ihr unbedingt ein Auge auf Far Cry 6 werfen solltet.

    Willkommen im Regime von Antón Castillo!

    Gespielt wird diesmal auf der fiktiven, von Kuba inspirierten Karibikinsel namens Yara. Dort regiert Antón Castillo, der mithilfe eines Medikaments namens “Viviro” das Krebsleiden besiegen will. Was sich wie eine Wohltat anhört, hat allerdings eine große Kehrseite, denn die Ernte des für das Medikament gezüchteten Tabaks und der dabei benutzte Dünger wirkt sich gar nicht gut auf die Gesundheit der Arbeiter aus und führt letztendlich zum Tod. Weil es bald schon keine Freiwilligen mehr gibt, werden einheimische Yaraner mittels einer “Lotterie” zur Arbeit auf den Feldern gezwungen. Aufständische werden ohne Rücksicht erschossen. Viele Yaraner versuchen deshalb in das Ausland zu flüchten. So auch der Protagonist Dani Rojas, den ihr entweder in weiblicher oder männlicher Form spielen könnt. Dani versucht mit seinen Freunden nach Miami zu flüchten. Während diesem Versuch kommt es zu einem Zwischenfall, der dazu führt, dass sich Dani einer Guerillabewegung namens “Libertadanschließt, um Mitglieder zu gewinnen, damit Anton Castillo ein für alle Mal gestürzt werden kann. Die Geschichte hört sich im ersten Moment nicht sonderlich spannend an. Der Knackpunkt liegt hier allerdings bei Diego Castillo, dem Sohn von Anton. Dieser ist nämlich gar nicht so gefühlskalt wie sein Vater und wird während des Verlaufs der Story noch für den ein oder anderen “WTF”-Moment sorgen.
     
    Antón Castillo fungiert diesmal als Bösewicht

    Große Welt im Far Cry 3 Stil.

    Auch bei Far Cry 6 handelt es sich um einen Open-World-Action-Shooter und in Yara gibt es viel zu entdecken. Die Weltkarte teilt sich neben der Tutorialinsel in 4 Regionen. Während “Esperanza” euer Ziel und als zu Hause von Anton Castillo fungiert, versucht ihr in “Madrugada”, “Valle De Oro” und “El Este” neue Anhänger für “Libertad” zu finden. Dazu müsst ihr euch mit den Bewohnern anfreunden und Aufgaben für sie erledigen. Habt ihr genügend davon abgeschlossen, schließen sich diese der Guerillabewegung an. Damit habt ihr storytechnisch schon mal ordentlich viel zu tun, denn die Gebiete sind alle sehr groß und die Aufgaben in mehrere Abschnitte unterteilt. Ihr werdet durch Dschungel und Strände wandern und euch an vielen Stellen des Spiels an Far Cry 3 zurückerinnern. Das sorgt allerdings dafür, dass man das Gefühl hat, vieles schon gesehen zu haben, bringt aber auch ein wenig Nostalgie zurück und Ubisoft hat auch hier noch die ein oder andere nostalgische Überraschung für euch parat. Ich will nicht zu viel verraten, aber wer Far Cry 3 gespielt hat, wird die Stelle erkennen, auf die ich hier aufmerksam machen möchte. Ein toller Fanservice!

    Liebeswerte Charaktere mit abgefahrenen Waffen

    Abseits von Antón Castillo trefft ihr auf euren Abenteuern noch viele andere verrückte, aber liebenswerte Charaktere. Das beste Beispiel dafür ist sicherlich Juan Cortez. Der ehemalige Spionagemeister lernt euch nicht nur eure Waffen zu verbessern, sondern beliefert euch außerdem mit abgefahrenen Tötungsmaschinen wie den “CD-Discwerfer”, einem “EMP-Werfer” oder dem Flammenwerfer. Viel wichtiger sind aber die sogenannten “Supremos”. Dabei handelt es sich um am Rücken geschnallte Geräte, die ihr mit allerlei Gadgets ausstatten könnt. Abgesehen davon hat jeder Supremo eine eigene Spezialfähigkeit, die nur benutzt werden kann, wenn sie vollständig aufgeladen wurde. Dafür hat es diese aber in sich. Der “Exterminador” feuert Zielsuchraketen ab und vernichtet damit so ziemlich alles, was euch im Wege steht. Der “Gladiador” hingegen versetzt euch in eine Art Rage und stärkt so nicht nur kurzzeitig euren Nahkampfschaden, sondern lässt euch auch schneller Leben regenerieren. Habt ihr einmal einen “Supremo” erworben, könnt ihr diesen jederzeit in eurem Inventar ausrüsten bzw. auswechseln. Auf der Werkbank lassen sich Gadgets und Mods des Supremos ändern. Sodass ihr ihn auf euren Spielstil anpassen könnt. Vorausgesetzt sind besondere Ressourcen, die ihr in ganz Yara und vor allem bei Nebenaktivitäten erhalten könnt.

    In Yara benötigt jeder eure Hilfe und es gibt jede Menge zu tun!

    Und davon gibt es in Yara ganz schön viele. Zum einen könnt ihr Kontrollpunkte einnehmen, um euch damit einen dauerhaften Schnellreisepunkt freizuschalten. Das ist vor allem dann recht praktisch, wenn ihr schnell von einem Ort zum nächsten gelangen wollt. Auch versteckte Guerilla-Lager ermöglichen euch ein neues Schnellreise Ziel. Diese müsst ihr allerdings erst entdecken. Flugabwehr-Stützpunkte schaltet ihr aus, um zukünftig auch den Luftraum im Umkreis für euch beanspruchen zu können, denn in Far Cry 6 habt ihr neben einer großen Auswahl an Kraftfahrzeugen auch die Möglichkeit, mittels Hubschrauber oder Flugzeug den Himmel unsicher zu machen. Auch das bietet sich als gute Möglichkeit, schnell von A nach B zu gelangen, könnt ihr nämlich jederzeit abspringen und euren Fallschirm bzw. euren Wingsuit benutzen. Um Nebenziele ausfindig zu machen, sucht ihr am besten nach einem Ausrufezeichen auf der Minimap, denn diese deuten an, dass euch entweder ein Informant oder ein Dokument mit neuen Informationen versorgt und so Aktivitäten auf eurer Karte vermerkt. So findet ihr auch die besonderen Schatzkarten, die einzigartige Waffen bzw. Ausrüstungsgegenstände oder Ressourcen für euch bereithalten. Dazu müsst ihr allerdings immer ein kleines Rätsel bzw. einen Parcour meistern. Eine nette Abwechslung neben den doch recht offensiven anderen Aktivitäten.
     
    In Yara gibt es viel zu tun!
    Doch das war noch längst nicht alles. Verschiedene Nebenmissionen oder auch “Yaras Vermächtnis” genannt, erweitern eure Guerilla Mitglieder. Während ihr Kommandanten hinzugewinnen könnt, die ihr auf – nach zeit ablaufenden – Missionen schickt, um Ressourcen zu erhalten, könnt ihr durch diese Missionen auch neue Amigos entdecken. Das sind eure tierischen Begleiter, die allesamt mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind. Guapo, das “freundliche”, in patriotischer Weste gekleidete Krokodil, zerfleischt auf Kommando eure Feinde, macht allerdings auch auf euch aufmerksam und erschwert so euer lautloses Vorgehen. Dafür bietet sich allerdings “Chorizo” als Amigo an. Der gehandicapte Dackel lenkt mit seiner Niedlichkeit die Wachen ab, damit ihr sie aus dem Hinterhalt eliminieren könnt. Zahlreiche andere Amigos wie ein Hahn oder ein Panther können sich euch im Verlauf des Spiels anschließen und dadurch eure Spielweise verändern. Grandios: Alle Amigos lassen sich von euch streicheln… ja.. auch das Krokodil!

    Große Individualität dank neuem Ausrüstungs-System

    Eine der größten Neuerungen in Far Cry 6 ist mit Abstand das Inventar und die auswechselbare Ausrüstung bzw. das Waffensortiment. Ihr könnt nun nämlich verschiedene Kopfbedeckungen, Körperbekleidungen, Hosen, Schuhwerk und Accessoires finden und ausrüsten. Diese sind nicht nur mit verschiedenen Perks – also Vorteilen – ausgestattet, sondern verändert sogar das Aussehen eures Charakters. Das mag bei einem First-Person-Shooter zwar unnötig klingen, aber zumindest im Koop-Modus (Zu dem ich später noch komme) und in Guerrilla-Lager (Dort spielt ihr nämlich in der 3rd-Person) macht das einigermaßen sinn. Ausrüstung ist in Sets gruppiert, die sich mit einem Tastendruck vollständig auswechseln lassen. Ganz ausgegoren ist das Ganze allerdings noch nicht, denn wer die hässliche ABC-Maske nicht tragen möchte, auf die Gift-Immunität jedoch nicht verzichten will, hat Pech gehabt. Eine Möglichkeit, das Aussehen separat zu den Perks festzulegen, gibt es nicht. Das hätte man hier definitiv besser lösen können.
     
     
    Neben der Vielzahl an unterschiedlicher Ausrüstung dürft ihr euch aber auch auf ein reichhaltiges Waffenarsenal freuen. Von Handfeuerwaffe bis Schrotflinte, Scharfschützengewehr, Raketenwerfer und sogar Bogen ist alles dabei, was euer Herz begehrt. Jede Kategorie versorgt euch außerdem mit unterschiedlichen Ausführungen. Welches Scharfschützengewehr am besten für euer Vorhaben geeignet ist, verraten Werte wie Schaden, Genauigkeit, Feuerrate und Magazingröße. Neben einer Vielzahl von gewöhnlichen Waffen gibt es auch noch einzigartige Waffen, die ihr entweder während der Story erhaltet oder in den zahlreichen Nebenaktivitäten finden könnt. Während die einzigartigen Waffen meist stärker sind und spezielle Mods besitzen, könnt ihr dafür die gewöhnlichen Waffen nach euren Vorlieben anpassen. Möchtet ihr lieber panzerbrechende-, Weichkörper- oder Explosive-Munition? Zusätzlich einen Schalldämpfer oder einen Rückstoßminderer? Soll sich bei einem Kopfschuss der Supremo aufladen oder der Schalldämpfer weniger oft überhitzen? Die Wahl liegt bei euch!
     
    Geht dazu einfach zu einer beliebigen Werkbank und passt eure Waffe auf eure Bedürfnisse an. Und genau hier macht es sinn, verschiedene Waffen derselben Kategorie mit unterschiedlichen Mods auszustatten. So könnt ihr ein Scharfschützengewehr mit panzerbrechender Munition für gepanzerte Ziele verwenden, während ihr für ungepanzerte Ziele die Weichkörper Munition verwendet. Eure Waffen könnt ihr je nach Situation zu jederzeit auswechseln. Dabei könnt ihr über das Waffenrad gleichzeitig zwischen 3 Waffen sowie einer Seitenwaffe (Pistole) wechseln. Die Individualität ist in Far Cry 6 so groß wie noch nie.

    Neues Spiel im alten Gewand.

    Ja, Far Cry 6 bietet einige Neuerungen, aber wenn wir uns ganz ehrlich sind, bleibt es nach wie vor ein Far Cry in einem anderen Gewand. Das muss jetzt nicht unbedingt schlecht sein, denn die Far Cry Serie begeistert spätestens seit dem dritten Ableger eine große Fangemeinde. Es wird allerdings Zeit für etwas Neues. Zwar hat man sich bemüht, viele Dinge von Assassin’s Creed Valhalla mit einzubauen (Ausrüstung, angrenzende Gebiete, mehr Fokus auf Stealth), das genügt aber nicht, um ein “Frischegefühl” zu vermitteln. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Antagonist meiner Meinung nach viel zu wenig im Spielverlauf eingebunden wird. Da haben mir die unterschiedlichen Antagonisten in Far Cry 5 wesentlich mehr zugesagt. Hier hatte man immer den Eindruck, dass man etwas erreicht hat. Dieses Gefühl fehlte mir im neuesten Ableger. Ja, Giancarlo Esposito (Bekannt als Gus Fring aus Breaking Bad) spielt seine Rolle als machtbesessener El Presidente extrem gut und auch die Hintergrundgeschichte des Antagonisten ist sehr interessant. Mir fehlte hier dennoch ein wenig der gewohnte Wahnsinn á la Vaas oder Joseph.

    Verschenktes Potenzial im Koop-Modus

    Seit Far Cry 4 frage ich mich jedes Mal aufs Neue, wieso Ubisoft keinen vernünftigen Koop-Modus auf die Reihe bekommt. Wieso man das Spiel zwar mit einem Freund (Und diesmal auch mit unbekannten Spielern via Matchmaking) spielen kann, der Fortschritt aber nur für den Host gespeichert wird. Das gilt nicht nur für die gesamte Story, sondern auch für alle Nebenaktivitäten. Hilft mir ein Freund, einen Kontrollpunkt einzunehmen, darf ich mich über einen neuen Schnellreisepunkt freuen. Wechselt der Freund zurück in sein eigenes Spiel, ist es so, als wäre er nie dort gewesen. Nicht einmal die Karte ist in diesem Bereich aufgedeckt. Ja.. ich kann Hilfe von anderen Spielern für schwierige Missionen anfordern, aber bis auf den Loot den man behalten darf, gibt es eigentlich sonst keinen Anreiz, gemeinsam zu spielen. Zumindest die Nebenaktivitäten hätten meiner Meinung nach für alle Spieler zählen können. Kann man nur hoffen, dass Ubisoft im nächsten Ableger endlich daraus lernt.

    Ein hübsches und immersives Erlebnis mit kleinen Schönheitsfehlern.

    Grafisch präsentiert sich Far Cry 6 in einer atemberaubenden Aufmachung. Ein Antagonist sah noch nie so gut aus wie hier. Jede Falte, jede Pore und jeder Winkel im Gesicht wurde fast fotorealistisch umgesetzt. Auch Yara sieht wunderschön aus und strotzt nur so von Liebe zum Detail. Das karibische Feeling sorgt für Fernweh und am liebsten möchte man direkt einen Urlaub auf die Insel buchen. Aber nicht nur grafisch bekommt man hier viel geboten. Auch der Soundtrack lädt mit lateinamerikanischer Musik zum Chillen ein (Inklusive einer stimmigen Version von Bella ciao).
     
     
    Während die Grafik und die Musik wahnsinnig zur Immersion beitragen, gibt es eine Sache im Spiel, die mich persönlich extrem gestört hat. Ich schleiche mich an einen Gegner heran, schneide ihm mit meiner Machete die Kehle durch Blut spritzt überall hin – und Sekunden danach scheint es, als wäre bereits der Putztrupp anwesend gewesen. Man findet kein Zeichen von Blut am Boden und keine Verletzungen am Körper der gerade aufgeschlitzten Wache. Als hätte ich meinen Gegner gerade zu Ruhe gebettet. Fehlt nur noch der “Gute Nacht”-Kuss und herantanzende Teletubbies, die eine Pyjamaparty feiern. So etwas wirkt leider sehr unprofessionell und während das vielleicht andere weniger stört, hat mich das schon sehr genervt. Aber um auch ein schönes Detail anzusprechen: Einschusslöcher an der Windschutzscheibe von Fahrzeugen bleiben erhalten und könnten euch bei eurer Sicht behindern. Genau solche Kleinigkeiten können ein gutes Spiel ausmachen oder eben nicht!

    Fazit

    Mit Far Cry 6 geht es fast zurück zu den Wurzeln der Serie. Das karibische, von Kuba inspirierte Yara erinnert sehr stark an die pazifischen Inseln von Far Cry 3. Als Antagonist tritt diesmal Yara’s El Presidente “Antón Castillo” auf, der seinen Sohn Diego auf sein bevorstehendes Vermächtnis vorbereiten möchte. Das Regime von Antón gefällt allerdings nicht jedem, und so setzt man als Dani Rojas in der Guerillabewegung namens “Libertad” eine Revolution in Gang! Eine große offene Welt mit vielen Nebenaktivitäten sorgt für jede Menge zu tun. Auch wenn das Prinzip von Far Cry gleich bleibt, so hat man zumindest mit einem “Loot”-System versucht, etwas Neues zu schaffen. Und das tut Far Cry 6 sehr gut. Damit hat man nun unzählige Möglichkeiten, seinen Spielstil auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Auch liegt der Fokus diesmal mehr auf Stealth und nicht immer ist ein direkter Angriff die richtige Wahl. Grafisch und auch musikalisch strahlt das Spiel aus jeder Naht und bringt das “Urlaubsgefühl” nach Hause. Den Koop-Modus hätte man sich, wie bereits in den Vorgängern redlich sparen können. Euer Fortschritt wird in keiner Weise übernommen. Lediglich der Loot bleibt euch erhalten. Far Cry 6 bleibt sich treu und ändert recht wenig am Spielprinzip. Wer davon absieht, bekommt wieder ein tolles Spiel präsentiert, das euch stundenlang beschäftigen wird.

    Fakten

    Name: Far Cry 6
    Genre: Action-Shooter
    Entwickler: Ubisoft
    Publisher: Ubisoft
    Plattform: PS4 | PS5 | XSX | XSS | XONE | PC
    Releasedatum: 07. Oktober 2021
    Getestet auf: Playstation 5
      Bei Amazon kaufen

    Medien

    Das Spiel wurde uns für unsere Rezession vom Entwickler, Publisher oder einer Agentur zur Verfügung gestellt und beeinflusst nicht unsere Bewertung zum Spiel.

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    REVIEW OVERVIEW

    Gameplay
    7.8
    Inhalt
    8.3
    Präsentation
    8.1
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    Aktuelle Beiträge