Spieletest: The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Mit der Nintendo Switch ist nicht nur eine neue Konsole am Markt erschienen, sondern zeitgleich auch ein neues Zelda Spiel. Doch diesmal soll alles anders sein. Eine offene Welt, Sprachausgabe, wechselbare Ausrüstung und eine Menge zu entdecken. Ob dieses neue Zelda-Konzept aufgeht, haben wir für Euch getestet.

Im Jänner 2013 wurde von Produzent Eiji Aonuma die Entwicklung eines neuen Zelda Spiels für Wii U angekündigt. 4 Jahre später und zugleich mit einer neuen Konsole erschien das neue Zelda am 03. März 2017 mit gravierenden Änderungen der Serie. Doch zunächst beginnt alles wie gewohnt:

Als Link erwacht Ihr in einer Art Ruine von einem 100 Jahre andauernden Schlummer. Schnell stellt Ihr fest, dass Ihr nicht nur Euer Gedächtnis verloren habt, sondern auch dass Hyrule aktuell nicht gerade der sicherste Ort ist. Überall lauern Gefahren und bedrohliche Maschinen. Zudem kreist über dem Schloss Hyrule die schattenhafte Reinkarnation des Antagonisten Ganon. Schnell ist eines klar: Eure Aufgabe besteht darin in das Schloss einzudringen und die Verheerung Ganons zu vernichten, um wieder Frieden über das Land Hyrule zu bringen. Bereits hier macht sich eine gravierende Änderung des Spielprinzips bemerkbar: Ihr habt nämlich die Freiheit selbst zu entscheiden, wie Ihr Eure Reise beginnen möchtet.

Hyrule ist riesig und wartet von Euch erkundet zu werden

Gestartet wird im vergessenen Plateau, wo Euch die Steuerung zum Spiel erklärt wird. Dieser Abschnitt ist recht linear gehalten und so verbringt Ihr die ersten Stunden damit, Euch die vier wichtigsten Kräfte anzueignen. Die sogenannten Shiekah-Module. Dadurch könnt Ihr zukünftig Bomben erzeugen, Metallobjekte bewegen oder gar schweben lassen, Wasser zum Gefrieren bringen und sogar kurzzeitig die Zeit anhalten. All diese Fähigkeiten werdet Ihr im Laufe des Spiels einsetzen und damit auch ganz kreativ auf eigene Art und Weise zu Eurem Ziel gelangen. Während Eurer Suche nach den Modulen lernt Ihr auch die Shiekah-Schreine kennen. Jeder Schrein wartet mit einem oder mehr Rätsel oder Aufgaben auf Euch. Ihr könnt Euch diese als Mini-Dungeons vorstellen. Habt Ihr die Herausforderungen eines Schreins absolviert, werdet Ihr mit einem “Zeichen der Bewährung” belohnt. Vier davon nutzt Ihr zukünftig um einen Herz- oder Ausdauer-Container zu erlangen. Mit mehr als 100 Schreinen habt Ihr also einiges zu tun. Bis auf die ersten 4 Schreine sind die restlichen jedoch alle optional.

Die Shiekah-Schreine sind durch ihre einheitliche Form leicht zu erkennen

Bereits in den ersten Stunden des Spiels lernt Ihr die wichtigsten Neuheiten der Reihe kennen. Eine der interessantesten Änderungen ist die Möglichkeit auf nahezu allen vertikalen Flächen klettern zu können. Dadurch verbraucht Ihr allerdings auch die neu hinzugekommene Ausdauerleiste. Ist diese leer, verliert Link den Halt und stürzt schmerzvoll den von Euch bereits zurückgelegten Pfad herab. Während Eure Ausdauer anfangs noch recht marginal ausfällt, könnt Ihr diese im späteren Spielverlauf mit Ausdauer-Containern verbessern. Wenn Ihr nicht gerade einen Mount Everest besteigen möchtet, könnt Ihr auch auf Bäume klettern, um etwa köstliche Äpfel zu pflücken. Wozu Ihr die Äpfel benötigt? Zum Kochen natürlich! Link geht nun nämlich auch unter die Haubenköche und kann seine gefundenen Nahrungsmittel entweder roh verzehren oder noch besser: Ein leckeres Gericht zaubern. Ihr könnt beim Kochen insgesamt 5 Zutaten mischen und daraus etwas Köstliches zaubern. Neben der Wiederherstellung Eurer Herzen können Mahlzeiten auch noch andere positive Effekte hervorheben wie z. B. ein temporärer Schutz gegen Kälte oder Hitze. Entdecker kommen hier übrigens voll auf ihre Kosten. Jedes Rezept muss durch das Experimentieren selbst herausgefunden werden.

In Hyrule ist allerdings nicht Friede, Freude, Eierkuchen angesagt, sondern hier lauern auch zahlreiche Gefahren. Dass sich Link dabei zur Wehr setzen muss, ist Ehrensache! Doch womit bekämpft ein Held eigentlich heutzutage die Bösewichte? Mit einem Holzstock? Einer Heugabel? Oder doch lieber einem Schwert? Natürlich mit allem denn in Breath of the Wild könnt Ihr so ziemlich alles als Waffe benutzen. Wenn Euch wirklich danach ist, könnt Ihr Eure Gegner sogar mit einem Stück Fleisch bewerfen. Dass besiegte Gegner meist ihre Waffe fallen lassen ist ein wichtiger Bestandteil des Spiels, denn Ihr werdet eine Menge Waffen mit Euch mitführen müssen. Warum das so ist? Jede Waffe, die Ihr aktiv benutzt wird irgendwann einmal das zeitliche Segnen. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, aus welchem Material die jeweilige Waffe gemacht ist. Ein Glasschwert wird nicht mehr als 4-5 Schlägen standhalten, während eine Eisenlanze da doch etwas stabiler ist. So realistisch dieses Feature auch sein mag, so verräterisch ist es zugleich. Das Schlimmste was Euch nämlich passieren kann: Ihr kämpft gegen einen Boss und plötzlich habt Ihr keine Waffe mehr in Eurem Gepäck. Die einzige Möglichkeit, die Euch noch bleibt, ist entweder das geschickte Zielen mit Euren Bomben oder die unehrenhafte Flucht.

Nicht immer sind Eure Gegner von der einfachen Sorte

Neben den Waffen gibt es auch noch Schild und Bogen in den unterschiedlichsten Formen zu finden. Auch hier heißt es wieder: Nutzt Ihr das jeweilige Objekt, geht es irgendwann kaputt. Anders ist das bei Eurer Bekleidung. Ob Rüstung, Hose oder Helm, was Ihr an habt nutzt sich nicht ab. Trotzdem werdet Ihr nicht darum herumkommen, Euch klimabedingt einzukleiden. Viele der Rüstungen haben nämlich neben Attributen wie etwa Verteidigung auch andere Eigenschaften, die Euch in den jeweiligen Gebieten vor dem sicheren Tod bewahren. In der sengenden Hitze der Gerudo-Wüste wäre es sicherlich von Vorteil eine Rüstung mit Hitzeschutz dabei zu haben. Seid Ihr viel in Gewässern unterwegs, könnte sich eine Rüstung mit schnellerer Schwimmgeschwindigkeit lohnen. Was Ihr anzieht, bleibt Euch überlassen denn alle Effekte lassen sich auch temporär mit der richtigen Mahlzeit erzielen. Damit wird noch einmal deutlich gemacht, dass Ihr Zelda: Breath of the Wild genau so spielen sollt, wie Ihr es möchtet.

Trotz der offenen Welt und der Möglichkeit alles so zu machen wie es Euch passt, wird Euch schnell bewusst: Hyrule rettet sich nicht von selbst und so werdet Ihr über kurz oder lang den beschwerten Weg zu den Titanen aufnehmen müssen. Davon gibt es nämlich vier Stück und diese müsst Ihr wieder zur Vernunft bringen, um Euch den Weg zum Schloss Hyrule freizumachen. Jeder Titan wird nämlich von einem Diener Ganons gesteuert und erst wenn Ihr diesen zur Strecke bringt, steht Euch der einst für den Frieden konstruierte Titan erneut zur Seite. Dass Nintendo das Wort Titan sehr genau nimmt, werdet Ihr spätestens bei der ersten Begegnung eines solchen feststellen. Dabei handelt es sich nämlich um einen gigantisches (Jaaaa! Wirklich sehr gigantisch!!), mechanisches Konstrukt in Form eines Tieres. Eure Aufgabe besteht nun darin, den Titan kurzzeitig außer Gefecht zu setzen, um in das darin befindliche Dungeon zu gelangen und den Dämon zu besiegen. Ja Ihr habt richtig gehört: Die Dungeons befinden sich nun in gigantischen und beweglichen Konstrukten! Die Art und Weise wie Ihr den Titan kurzzeitig außer Gefecht setzen müsst unterscheidet sich gravierend. Einmal müsst Ihr mit einer walrossartigen Kreatur durch die Wüste surfen und dabei die Füße des Titans mit Bomben bewerfen während Ihr den Stampfattacken ausweicht. Ein anderer Titan muss von oben an gewissen Stellen mit dem Pfeil beschossen zu werden. Habt Ihr den Titan kurzzeitig außer Gefecht gesetzt, könnt Ihr das Dungeon betreten. Hier warten in Zelda-Manier zahlreiche Rätsel auf Euch. Primär müsst Ihr alle Kontrollsiegel aktivieren und anschließend mittels der Steuerkonsole den Bosskampf einleiten. Dass die Kontrollsiegel allesamt gut versteckt oder nur schwer erreichbar sind, erschwert Euch das ganze. Euer erstes Ziel im Dungeon sollte jedoch ein anderes sein: nämlich die Dungeonkarte! Diese ermöglicht Euch etwas ganz besonderes. Habt Ihr die Dungeonkarte gefunden, könnt Ihr gewisse titanabhängige Mechanismen aktivieren. So steuert Ihr etwa die Position des Rüssels eines elefantenartigen Titans. Wählt Ihr die richtige Position, fällt Wasser aus dem Rüssel und ebnet einen neuen Pfad. Leider wird über dieses Feature kein Wort verloren und so müsst Ihr selbst darauf kommen. Wir haben 30 Minuten in unserem ersten Dungeon damit verbracht auf dieses Feature aufmerksam zu werden, um endlich weiter zu kommen. Der abschließende Bosskampf ist meist sehr fordernd und verlangt neben einer ordentlichen Tracht Prügel auch den korrekten Einsatz Eurer Shiekah-Module. Segnet der Boss das Zeitliche, werdet Ihr nicht nur wie gewohnt mit einem Herz-Container belohnt, sondern seid einen Schritt weiter das Schloss von Hyrule zu infiltrieren.

Neben Eurer Hauptaufgabe gibt es noch viel mehr zu erledigen. Zum einen sind das die bereits erwähnten Shiekah-Schreine, die überall in der Welt verteilt sind, zum anderen verbergen sich an jeder Ecke neue Aktivitäten. Sei es ein kleines Rätsel welches nach erfolgreichem Abschluss einen Shiekah-Schrein offenbart oder offenbart Ihr dadurch doch eher einen Krog-Samen, der für das Erweitern Eures Inventars benötigt wird. Helft Ihr den Bewohnern die in der Ferne von Kobolden angegriffen werden oder zähmt Ihr lieber einen wilden Hengst um Euch die langen Wege etwas angenehmer zu gestalten? Ihr habt eine Menge zu tun und die Geheimnisse Hyrules warten darauf von Euch entdeckt zu werden. Wer noch tiefer in die Geschichte des Spiels eintauchen will, hält nach den Erinnerungen ausschau. Dies sind kleine animierte Filme mit deutscher Sprachausgabe. All jene Erinnerungen erzählen, was vor den 100 Jahren Eures langen Schlummers passiert ist. Es lohnt sich auf jeden Fall diese versteckten Stellen zu finden!

Auch wenn Zelda: Breath of the Wild vieles in der Serie neu erfindet, so bleiben gewisse Dinge erhalten. Ihr trefft nach wie vor auf bekannte Rassen und Gesichter wie etwa den Gorgonen und den Zoras. Aber auch die große Fee lässt sich blicken und verwandelt Eure gefundenen Ressourcen wie Steine, Monsterspeichel und anderes unnützes Zeug in Verbesserungen für Eure Rüstung. Trotzdem wirkt das Spiel etwas befremdend. Das liegt vielleicht an der geringen Anzahl der Dungeons und der offenen Welt. Das bedeutet keinesfalls, dass Breath of the Wild ein schlechtes Zelda darstellt, lediglich die Zeit, bis man sich an das neue Zelda gewöhnt hat, dauert entsprechend länger.

Technisch ist Zelda: Breath of the Wild ein richtiger Hingucker. Die Weitsicht ist so enorm, dass Ihr bereits von weiter Ferne auf Gegner aufmerksam gemacht werdet. Der dynamische Tag- und Nachtwechsel lädt zum Beobachten des Sonnenuntergangs ein. Die Musik und Soundkulisse ist wiedermal exzellent umgesetzt worden und die liebevoll detaillierte Welt schreit förmlich danach, erkundet zu werden. Ob am TV-Gerät oder auf dem Switch-Tablet, Ihr werdet eine lange Zeit mit diesem Meisterwerk verbringen. Wir können nur hoffen, dass sich Nintendo mit diesem Zelda einen neuen Maßstab gesetzt hat und auch zukünftige Teile genau so umgesetzt werden!

Unser Review bezieht sich auf die Switch-Fassung zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild, welche am 03. März 2017 für Wii U sowie Switch veröffentlicht wurde.

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